____________________________________________________________Geschichte-

vor 1825

Vor 1825 verließ man sich bei Bränden in Neuenkirchen noch auf die Nachbarschaftshilfe. Zur damaligen Zeit gab es sogar eine Vorschrift, die besagte, dass in jedem Haus ein lederner Eimer und ein Feuer- oder Einreißhaken vorhanden sein musste. Mit den Eimern wurde mittels einer langen Menschenreihe das Löschwasser vom nächstgelegenen Brunnen, Bach oder Teich zum Brandherd befördert. Bei größeren Gebäuden nutzten jedoch weder Wasser noch Einreißhaken. Deshalb überlegte man sich in Neuenkirchen eine gut ausgebildete Mannschaft mit entsprechenden Geräten auszurüsten.

1825

So entstand in diesem Jahre die Brandwehr, der Vorläufer der späteren Feuerwehr. Sie war damals bereits im Besitz einer Spritze samt Spritzenhaus.

1831

Die Gemeinde baut mit aus Neuenkirchen kommenden Spenden den schon teilweise vorhandenen Dorfgraben aus, der somit zu einer der wichtigsten Einrichtungen für die Löschwasserversorgung wurde.

1864

Die Gemeindevertretung beschloss die Anschaffung von zwei weiteren Handspritzen.

1880

Das jedoch auch diese Ausrüstung nicht ausreichte, bewies nur allzubald der Großbrand der im Neuenkirchener Ortskern 18 Gebäude vernichtete. Nach dieser schriftlich in der Chronik festgehaltenen größten Katastrophe, die Neuenkirchen bis dahin erlebt hatte, war man sich in der Gemeinde einig: Die Brandwehr reicht nicht aus.

1883

Mit 64 aktiven Mitgliedern wurde am 12.01.1883 die Freiwillige Feuerwehr Neuenkirchen vom Gemeindevorstand einsatzbereit gemeldet. Der erste Hauptmann war Christoph Bollweg (Bild rechts). Die Gemeinde ließ sich aus diesem besonderen Anlass nicht lumpen, schaffte gleich eine Saug- und eine Druckspritze an und baute ein kleines Spritzenhaus, in dem nur Platz für die vierrädrige Handspritze war, nicht aber für die übliche Ausrüstung der Feuerwehrleute, die diese immer mit nach Hause nehmen mussten.

1885

Zweck und Aufgaben der Wehr wurden in den Statuten festgelegt. Zweck der Freiwilligen Feuerwehr Neuenkirchen, so hieß es im Vorwort der Statuten, „ist die Aneignung der nötigen Fertigkeiten zur Handhabung, Bedienung und Anwendung der Löschgerätschaften, um nicht allein ausbrechendem Brände wirksam entgegentreten, sondern auch den durch einen solchen betroffenen Mitbürgern nach Möglichkeit Schutz an Leben und Eigentum gewähren zu können.“ In den Statuten wurde auch die Mannschaft in vier Abteilungen aufgeteilt: die Rettungsabteilung (Steiger), die Spritzen-, Wasser- und Ordnungsmannschaft. Zudem wurde die erste Saug- und Druckspritze in den Dienst gestellt.

1900

Eine Neuregelung sollte in Kraft treten. Es wurde die Bildung einer Zwangswehr angeordnet, von der man jedoch später nichts mehr hörte. Bei der Zwangswehr sollten alle diejenigen Mannschaften zugeordnet werden, welche der Freiwilligen Wehr nicht beitreten oder von derselben wegen Verletzung ihrer Pflichten ausgeschlossen wurden.

Damals durfte bei Bränden in Nachbargemeinden wie Druffel und Varensell die Spritze der Neuenkirchener Wehr nur dann ausrücken, wenn die Aufforderung dazu an den Vorstand der Gemeinde oder den der Feuerwehr vom Betroffenen selbst erging. Gleichzeitig sollte aus der Nähe der Brandstätte ein Gespann zum Ziehen der Spritze geschickt werden. Für die Handhabung des Gerätes waren vier Männer nötig. Die Nachbargemeinde konnte vier Männer stellen, die dann bei der Neuenkirchener Wehr ausgebildet wurden. Somit konnten Kosten gespart werden, denn der „Verleih“ von Feuerwehrmännern kostete Geld.

Die Freiwillige Feuerwehr Neuenkirchen ist am 16.10.1900 dem westfälischen Feuerwehrverband beigetreten. Dieser Verband stand in Verbindung mit einer Feuerwehr-Unterstützungskasse. Diese Kasse garantierte den Wehrleuten Unterstützung bei einem Unfall im Löschdienst.

In diesem Jahr wurde auch eine musikalische Truppe in Leben gerufen, der Spielmannzug Neuenkirchen.

1908

Am 05.07. wurde zum 25 jährigen Bestehen die Vereinsfahne eingeweiht, die immer noch im Besitz der Freiwilligen Feuerwehr Neuenkirchen ist.

Das alte Spritzenhaus entsprach nicht mehr den Anforderungen und so wurde in diesem Jahr mit der Errichtung eines neuen Spritzenhauses begonnen.

1913

Dieses Feuerwehrhaus wurde in der Folgezeit ständig erweitert. So folgte 1913 ein Steigerturm, der aus einem Holzgestell bestand. Ein solcher Turm war damals eines der wichtigsten Übungsgeräte, probten die Männer der Wehr an ihm das Erklimmen von Gebäuden im Ernstfall.

1928

Ankauf einer Motorspritze vom Typ Fischer-Görlitz mit einem Selve-Motor. Diese Spritze schaffte bis zu 800 l/ min und musste mit einem Pferdegespann gezogen werden. Da es problematisch war schnell ein solches Gespann zu bekommen, wurde damals 5 Mark an denjenigen gezahlt, der als erster mit dem Gespann am Spritzenhaus war.

1932

Bei einem Schrotthändler wurde ein altes Daimler-Benz Fahrzeug mit 30 PS gekauft und umgebaut zu einem Mannschaftstransportwagen, der aber nur 3 Jahre lang seinen Zweck erfüllt hat.

1933

Durch die Machtübergreifung  der Nationalsozialisten kommt ein Gesetz zur Neuregelung der Feuerwehren, das so genannte „Preußische Feuerlöschgesetz“. Die Wehren aus Rietberg, Neuenkirchen und Moese/Mastholte vereinigten sich zwangsweise zur Freiwilligen Feuerwehr für den Ortspolizeibezirk Rietberg mit den Löschzügen Rietberg, Neuenkirchen und Mastholte. Oberbrandmeister Lodenkemper (Rietberg) wurde zum Vorstand gewählt, der allein zur Vertretung des Vereins berechtigt war. Zu seiner Unterstützung wurden die Kameraden Brandmeister Spieker (Neuenkirchen) und Brandmeister Köckerling (Mastholte) gewählt.

Neuanschaffungen von Geräten führten dazu, dass der Mittelteil des Spritzenhauses um ein Stockwerk erhöht und die Decke durchbrochen wurde. Der Steigerturm wurde damit ins Feuerwehrhaus „verlegt“. Er wurde dann auch als Schlauchturm genutzt.

1935

Für den 1932 gekauften Daimler-Benz wurde ein alter LKW Typ Krupp gekauft. Dieser verfügte über einen stärkeren Motor und bot mehr Platz für feuerwehrtechnische Geräte.

1939

Bedingt durch den 2. Weltkrieg musste der Löschzug Neuenkirchen auch in den umliegenden Städten aushelfen. Teilweise unter Lebensgefahr versahen die Wehrmänner in den Bombardements brennenden Orten wir Gütersloh, Bielefeld, Hamm, Dortmund, Lippstadt und Paderborn ihren Löschdienst.

1940

Durch die erhöhte Einsatzbereitschaft durch den Krieg wurde die erste Sirene auf dem Dach des Hauses Kemper montiert.

1942

In der Kriegszeit wurde ein in Serie gebautes LF 15 der Firma Magirus Deutz angeschafft.

LF 15 – Magirus Deutz

1949

Bau des heutigen Feuerwehr-Gerätehauses. Dieses verfügte über drei Fahrzeugboxen, einen Schlauchturm, eine kleine Werkstatt, Toilette, Dusche und Unterrichtsraum. 130.000 DM kostete das Gebäude, das damit das erste im Amte Rietberg war. Die drei Fahrzeugboxen waren zwingend erforderlich. Vor dem Bau mussten einige Fahrzeuge quer eingeparkt werden.

1950

Erstes selbstgebautes Tanklöschfahrzeug 24/30 vom Löschzug Neuenkirchen und das erste im gesamten Kreis Wiedenbrück.

Anfang der 50er Jahre wurde erstmals eine Tragkraftspritze (TS) gekauft. Da die Neuenkirchener Wehrleute reichlich Erfahrung im Umbau mit Fahrzeugen hatten, installierten sie die Pumpe auf dem Krupp Fahrzeug. Nachdem dieses Fahrzeug bedingt durch die defekte Halbachse ausgefallen war, konnte die TS nicht mehr eingesetzt werden.

1953

70 Jahre Freiwillige Feuerwehr Neuenkirchen. Bei einer Übung wurde das LF 15/30 eingeweiht.

Fuhrpark 1953 (von links) Krupp-LKW, LF 15, TLF 24/30

1954

Bau eines weiteren Tanklöschfahrzeuges. Als erste Feuerwehr des Kreises besaß der Löschzug Neuenkirchen mit diesem Wagen ein weiteres TLF.

1958

75 jähriges Bestehen der Neuenkirchener Feuerwehr

1961

Einweihung eines TLF 16/25.

1963

Bis zu diesem Jahr mussten die Kameraden ohne eine Tragkraftspritze auskommen. Ein Schlauchkraftwagen mit einer TS 8 wurde vom Bund den Neuenkirchenern zugeteilt.

Fahrzeugbilanz 1964 von rechts der Kommandowagen, das selbstgebaute TLF 15/30, das TLF 16/25, der Schlauchkraftwagen vom Bund und das eigene LF 15

1965

Das Feuerwehrhaus wurde um vier weitere Fahrzeugboxen erweitert.

1966

Beim Kauf eines Fahrzeuges vom Typ LF 16-TS konnte die Stadt aus finanziellen Gründen die dazugehörige TS 8 nicht bezahlen. Somit wurde dieses Fahrzeug ohne eine TS in den Dienst gestellt.

1970

Während eines Einsatzes wurde das 1961 eingeweihte TLF 16/25 bei einem Unfall so schwer beschädigt, dass es nicht mehr eingesetzt werden konnte. Es wurde bei der Stadt ein neues TLF beantragt um weiterhin einen ausreichenden Feuerschutz gewähren zu können.

1972

Der Löschzug Neuenkirchen hat ein neues TLF 16/25 vom Typ Mercedes Benz mit Schlingmann Aufbau erhalten.

1972

Zum 90 jährigen Jubiläum wurde ein weiteres neues TLF 16/25 vom Typ Mercedes Benz mit Schlingmann Aufbau eingeweiht.

1972 - TLF 16/25

1976

Der Schlauchkraftwagen vom Bund wurde wieder abgezogen und dabei verblieb die TS 8 in Neuenkirchen und wurde mit in die Beladung des 1966 gekauften LF 16/TS aufgenommen.

Die Stadt kaufte einen VW Bulli als neuen ELW, dieser wurde als Ersatz für einen alten ELW angeschafft. Der Vorgänger des neuen ELW war der erste dieser Art im Rietberger Stadtgebiet.

1980

Die TS 8 vom Schlauchkraftwagen musste abgegeben werden. Die Stadt Rietberg entschloss sich daher, selbst eine TS anzuschaffen.

1983

Pastor Friedrich Ruzok, der Neuenkirchen nach 5 Jahren verließ, machte der Wehr ein unübertreffliches Abschiedsgeschenk passend zum 100 jährigen Jubiläum und malte das Motiv der Feuerwehr-Gründungsfahne auf die Front des Gerätehauses.

1989

Das mehr als 23 Jahre alte LF 16-TS wurde durch ein neues LF 16-TS ersetzt.

1992

Ein neuer ELW, ein Daimler-Benz-Transporter wurde angeschafft und ersetzt den 17 Jahre alten VW-Bulli.

1994

Höhepunkt des Feuerwehrfestes war die Einweihung des neuen TLF 16/25, welches noch heute eingesetzt wird.

1996

Der Fahrzeugbestand wurde wieder einmal den technischen Neuerrungen angepasst, so wurde im Dezember auch das zweite TLF 16/25 durch ein neues ersetzt.

2001

Eine neue TS 8 Ultra wurde dem Löschzug Neuenkirchen durch den Bürgermeister übergeben.

2002

Im Kampf gegen das so genannte Jahrhunderthochwasser an der Elbe waren auch vier Kameraden aus dem Löschzug mit dem LF 16-TS im Einsatz.